- Artikel 4 des EU AI Act verlangt seit dem 27.07.2026 Massnahmen statt garantierter Ergebnisse. Geändert hat das die Verordnung (EU) 2026/1744, der sogenannte Digital Omnibus on AI.
- Ein bestimmtes Kompetenzniveau einzelner Mitarbeitender muss niemand mehr garantieren.
- Die EU-Kommission schreibt weder ein Curriculum noch ein Zertifikat vor. Ein internes Verzeichnis der Schulungen genügt als Nachweis.
- Die nationalen Marktüberwachungsbehörden überwachen den AI Act seit dem 02.08.2026.
- Die Pflichten für Hochrisiko-Systeme nach Anhang III greifen erst ab dem 02.12.2027, nach Anhang I ab dem 02.08.2028.
- In der Schweiz gilt der AI Act nicht direkt. Er greift über den EU-Markt.
Am 27. Juli 2026 hat die EU ihre eigene Vorgabe zur KI-Kompetenz entschärft. Die Pflicht ist geblieben, ihr Charakter hat sich geändert. Wer daraus schliesst, dass Schulungen jetzt Nebensache sind, liest die Änderung falsch.
Was genau geändert wurde
Artikel 4 gilt seit dem 02.02.2025. Er war damals kurz und ziemlich fordernd formuliert. Der Digital Omnibus hat ihn ersetzt.
Bis 26.07.2026
Erfolgspflicht
„nach besten Kräften ein ausreichendes Mass an KI-Kompetenz ihres Personals sicherstellen"
Geschuldet war ein Ergebnis.
Seit 27.07.2026
Bemühenspflicht
„Massnahmen, um die Entwicklung von KI-Kompetenz zu unterstützen", ohne Garantie für eine Einzelperson
Geschuldet ist ein ernsthafter Versuch.
Juristisch ist das der Unterschied zwischen einer Erfolgspflicht und einer Bemühenspflicht. Vorher schuldete ein Unternehmen ein Ergebnis. Heute schuldet es einen ernsthaften Versuch.
Für die Praxis dreht sich damit die Beweisfrage. Sie lautete: Können Sie zeigen, dass Ihre Leute KI können? Sie lautet jetzt: Können Sie zeigen, dass Sie etwas dafür getan haben?
Die Fristen im Überblick
- 02.02.2025 Artikel 4 tritt in Kraft in Kraft
- 27.07.2026 Artikel 4 abgeschwächt in Kraft
- 02.08.2026 Marktüberwachung startet in Kraft
- 02.12.2027 Hochrisiko, Anhang III offen
- 02.08.2028 Hochrisiko, Anhang I offen
Was als Massnahme zählt
Die EU-Kommission hat dazu ein eigenes Q&A veröffentlicht. Vier Schritte nennt sie als Minimum:
- Ein allgemeines Verständnis von KI in der Organisation aufbauen.
- Die eigene Rolle klären. Sind wir Anbieter oder Betreiber?
- Die Risiken der eingesetzten Systeme einschätzen.
- Daraus konkrete Massnahmen ableiten, passend zu Vorwissen, Aufgabe und Einsatzkontext der Mitarbeitenden.
Als Nachweis genügt laut Kommission ein internes Verzeichnis der Schulungen und Initiativen. Im Q&A steht wörtlich: „There is no need for a certificate."
Das ist ein Satz, den man als Anbieter von Zertifizierungskursen ungern zitiert. Wir tun es trotzdem, weil er stimmt und weil jede Compliance-Abteilung ihn innerhalb von zwei Minuten findet.
Gilt das für Schweizer Unternehmen?
Der AI Act ist EU-Recht und gilt in der Schweiz nicht unmittelbar. Er wirkt aber extraterritorial. Sobald ein KI-System in der EU auf den Markt kommt oder sein Ergebnis in der EU genutzt wird, greift die Verordnung, unabhängig vom Firmensitz.
Praktisch heisst das: Wer EU-Kunden hat, eine Tochtergesellschaft in der EU betreibt oder als Zulieferer in einer EU-Lieferkette hängt, ist im Anwendungsbereich. Für viele Schweizer KMU ist das der Normalfall.
Dazu kommt ein Effekt, der mit Recht wenig zu tun hat. Grosse Auftraggeber fragen KI-Kompetenz in Ausschreibungen und Lieferantenaudits ab, lange bevor eine Behörde vorbeischaut.
Warum ein anerkanntes Zertifikat trotzdem zählt
Genau hier liegt der Punkt, den die Abschwächung sichtbar macht. Compliance war nie das beste Argument für KI-Weiterbildung. Sie war nur das lauteste.
Drei Gründe bleiben, und alle drei sind stabiler als eine Gesetzeslage, die sich innerhalb von 18 Monaten zweimal bewegt hat.
Erstens: Das Zertifikat gehört der Person
Eine interne Schulungsliste dokumentiert etwas für den Arbeitgeber. Ein international anerkannter Abschluss steht im eigenen Lebenslauf und überlebt den Stellenwechsel.
Zweitens: Ein geprüfter Lehrplan deckt ab, was beim Ausprobieren nie auftaucht
Wer sich KI selbst beibringt, wird gut im Prompten. Was dabei zuverlässig ausbleibt: Datenqualität und Bias, die Grenzen der Modelle, Datenschutz, und die Frage, wer im Unternehmen für ein KI-System geradesteht. Das sind die Themen, bei denen es teuer wird.
Drittens: Eine Prüfung erzeugt Verbindlichkeit
Wer weiss, dass am Ende 40 Fragen kommen, arbeitet anders mit als jemand, der ein Teilnahmeblatt sicher hat.
Warum wir das Thema überhaupt aufgreifen
Wir unterrichten Business Analystinnen und Business Analysten, Product Owner, Requirements Engineers, Softwarearchitekten, Projektmanager, Testerinnen und Tester sowie Softwareentwickelnde. Seit 2023 kommen Einsteigerinnen und Einsteiger dazu, zuerst mit ChatGPT 101, zuletzt mit der AI Masterclass.
Unser grösster Kurs, der IREB CPRE Foundation, ist seit jeher ein Zertifizierungskurs. Die Prüfung nimmt IREB ab, nicht wir. In den KI-Kursen war das anders. Dort bekamen alle ein Teilnahmezertifikat von Obvious Works, dazu die Information, dass wir zertifizierte Trainer von swissAI sind. Beides ehrlich verdient, beides ohne externe Prüfung.
Uns hat das zunehmend gestört. Ein Zertifikat, das der Kursanbieter selbst ausstellt, belegt vor allem Anwesenheit.
Diese Lücke schliessen wir mit dem A4Q AI Foundation, gemeinsam mit der Shajan Academy als akkreditiertem A4Q Training Provider. Die Prüfung läuft über iSQI. A4Q ist die Zertifizierungsmarke, iSQI wickelt die Prüfung ab.
Was im Kurs steckt
Zwei Tage, jeweils 09:00 bis 17:00 Uhr, maximal 12 Teilnehmende. Offizieller A4Q-Lehrplan mit acht Themenbereichen.
| Tag | Bereich | Kernthemen |
|---|---|---|
| 1 | Einführung in KI | Historie, symbolische und datengetriebene KI, typische Missverständnisse |
| 1 | Technologieüberblick | Machine Learning, neuronale Netze, NLP, Computer Vision, Trainingsdaten, Datenqualität und Bias, KI-Agenten |
| 1 | Umsatz und Effizienz | Kundenverhalten, Preisgestaltung, Lieferketten, Marketing- und Serviceautomatisierung, Toolauswahl |
| 1 | Prompt Engineering | Aufbau wirkungsvoller Prompts, Prompt-Arten, Grenzen, iterative Verbesserung |
| 2 | KI-Assistenzsysteme | Einsatzbereiche, Integration, Abhängigkeiten, Messung von Effizienzgewinnen |
| 2 | Regulierung, Ethik, Sicherheit | Rechtliche Grundlagen, EU AI Act, Datenschutz, Fairness, menschliche Aufsicht, manipulative Angriffe |
| 2 | Change Management | Mitarbeitende einbinden, Widerstände begleiten, Rollen und Kompetenzen aufbauen |
| 2 | KI-Roadmap | Vier Dimensionen, Use-Case-Priorisierung, Pilotierung, Governance, Erfolgsmessung |
Tabelle seitlich scrollbar
Die Prüfung läuft online mit Remote Proctoring, in Deutsch oder Englisch. Der Kurs kostet CHF 2'500, mit 10 Prozent Early-Bird-Rabatt. Verpflegung ist inbegriffen, bei Online-Durchführungen als Gutschein. Dazu kommen ein Online-Refresher und eine zweite Prüfungschance.
Zur Aktualität
Ein Lehrplan wird zu einem Stichtag verabschiedet, die Technik läuft weiter. Das ist bei jedem Zertifizierungskurs so, unabhängig vom Anbieter.
Wir vermitteln den offiziellen A4Q-Lehrplan vollständig und unverändert. Er ist die Prüfungsgrundlage, und darauf bereiten wir vor. Dazu kommt, was zwei Trainer mitbringen, die täglich mit diesen Systemen arbeiten: aktuelle Beispiele, der Stand der Werkzeuge im Moment des Kurses, und die Einordnung, was davon in der eigenen Organisation trägt.
Der Lehrplan bringt die Struktur. Die Aktualität kommt aus dem Raum.
Was das nicht ersetzt
Ehrlichkeit gehört zum Thema, deshalb dieser Abschnitt.
- Keine Compliance-Garantie
- Der AI Act verlangt kein Zertifikat. Wer behauptet, ein Kurs mache ein Unternehmen AI-Act-konform, verkauft Sicherheit, die er nicht liefern kann.
- Keine KI-Governance
- Zwei Tage bauen Kompetenz auf. Sie ersetzen keine Richtlinie, kein Inventar der eingesetzten Systeme und keine Zuständigkeiten.
- Kein technisches Training
- Wer Modelle trainiert oder KI-Funktionen in Software baut, braucht ein anderes Format.
- Keine Expertise
- Nach zwei Tagen ist niemand KI-Experte. Der Abschluss heisst Foundation, und das ist wörtlich gemeint.
Häufige Fragen
Muss unser Unternehmen wegen Artikel 4 jetzt Schulungen einkaufen?
Nein. Artikel 4 verlangt Massnahmen, die zu Vorwissen und Einsatzkontext passen. Für ein Team, das KI nur am Rand nutzt, kann eine interne Einführung reichen. Ein externer Kurs ist eine mögliche Massnahme unter mehreren.
Was passiert bei Verstössen?
Artikel 4 hat keine eigene Sanktion. Sanktionen richten sich nach nationalem Recht der Mitgliedstaaten und müssen verhältnismässig sein. Die Marktüberwachungsbehörden können KI-Kompetenz aber im Rahmen anderer Prüfungen mitbewerten.
Gilt Artikel 4 auch für Geschäftsführung und Externe?
Ja. Die Pflicht erfasst Personal und andere Personen, die im Auftrag des Unternehmens mit KI-Systemen umgehen. Dazu zählen Freelancer und Dienstleister.
Wir sitzen in der Schweiz. Betrifft uns das?
Direkt nicht. Über EU-Kunden, EU-Töchter und Lieferketten in aller Regel schon.
Wie unterscheidet sich A4Q AI Foundation vom AI4RE Micro-Credential?
A4Q AI Foundation richtet sich an alle Rollen im Unternehmen und deckt KI breit ab, von der Technologie über Regulierung bis zur Roadmap. AI4RE ist auf Requirements Engineering zugeschnitten.
Braucht es Vorkenntnisse?
Nein. Der Kurs ist als Einstieg konzipiert.
Nächster Schritt
Alle Termine und die Anmeldung laufen über unseren Ticketshop. Für Teams gibt es den Kurs auch als Inhouse-Format, eine kurze Anfrage über die Kursseite genügt.
Michael (Mr. Miroboard) Mey
Michael ist ein Trainer, der nicht nur durch sein Wissen, sondern auch durch seine Leidenschaft besticht.
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